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Rolling, Rolling, Rolling

Rolling, Rolling, Rolling

Heute Donnerstag wurde kein Golf gespielt. Nach einem gemütlichen Morgenessen fahren wir nach Dunedin, reservieren auf dem Otago Golfplatz eine Runde für Freitag. Dann geht es in die Stadt für einen kurzen Lunch und nachher zum Bahnhof. Für einmal lassen wir das Auto stehen und nehmen den Zug.

Die Taieri Gorge Railway führt uns von Dunedin nach Pukerangi, ein Ort in the Middle of Nowhwere. Die Haltestelle mit einer kleinen Ausweichstelle befindet sich auf einem freien Feld. An Sonntagen fährt der Zug weiter nach Middlemarch ins nächste Dorf. Die Touristenattraktion wird als «the most spectacular scenery in New Zealand» angepriesen.

Die ersten 13 Kilometer der Zugstrecke von Dunedin nach Wingatui gehört der staatlichen Bahngesellschaft KiwiRail. Von North Taieri bis nach Pukerangi resp. Middlemarch ist es eine historische Bahnlinie, welche die Taieri George Railway Ltd. besitzt. Mit 64 Kilometer ist es die längste private Bahnstrecke in New Zealand.

Die Linie gehörte ursprünglich der Otago Central Railway, welche über 235 Kilometer von Wingatui bis nach Cromwell führte. Die Route wurde 1877 aus sieben Optionen ausgewählt, da die Ingenieure mit dieser Routenführung am wenigsten technische Probleme lösen mussten. Zudem war es die direkte Verbindung aus dem Hinterland nach Dunedin am Meer.

Ab 1875 war der sogenannte Goldrush in der Region vorbei und der wirtschaftliche Fokus lag wieder auf der Produktion von landwirtschaftlichen Gütern. Die Strassen waren zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand, was den Transport erschwerte. Dies sollte mit der Bahnlinie verbessert werden. Baubeginn war 1879. Eine wirtschaftliche Depression verhinderte die Eröffnung der ersten 27 Kilometer bis 1889. Die Bahn führte lediglich bis Hindon in die Mitte der Taieri Gorge.

Erst 1891 wurde die Bahnstrecke bis nach Middlemarch fertiggestellt. Dann ging es aber zügiger voran, bereits 1898 wurde die Strecke bis Ranfurly freigegeben. Auf diesem Teil war Silvia am Mittwoch mit dem Velo unterwegs. Sie wird in einem Post darüber berichten. Weitere Teilstrecken folgten: Omakau 1904, Alexandra 1906 und Clyde 1907. Dann wurden die Arbeiten bis 1914 gestoppt. Die komplette Bahnverbindung von Dunedin bis Cromwell konnte 1921 in Betrieb genommen werden.


Trotz der späten Fertigstellung war die Bahn für den wirtschaftlichen Aufschwung von Central Otago sehr wichtig. Tausende von Tonnen Güter, aber auch sehr viele Tiere wurden mit dem neuen Verkehrsmittel sicher und günstig in den Hafen von Dunedin transportiert. Umgekehrt lieferte die Bahn benötigtes Material ins Landesinnere.

Die Bahn konnte lange von einem Konkurrenzschutz profitieren. Bis 1961 durften Tiere ausschliesslich mit der Bahn verschoben werden! Für andere Güter bestand der Schutz sogar bis 1963. Anfang der 80er Jahre musste die Bahn kapitulieren. Die Strecke Cromwell nach Clyde wurde mit dem Start der Bauarbeiten am grossen Staudamm von Clyde geschlossen. Doch konnte die Bahn mit Zement- und Stahltransport für das Bauwerk bis 1989 richtig gut Geld verdienen. Stillgelegt wurde die gesamte Bahnlinie 1990. Knapp 70 Jahre nach der Eröffnung hatte das Auto die Bahn in der Region verdrängt.

Heute ist die Strecke ein Highlight für Bahnbegeisterte. In alten, aber komfortablen Wagen, die von zwei Dieselloks gezogen werden, führt die Fahrt durch eine wilde gebirgige Landschaft mit Schluchten. Das Abenteuer dauert insgesamt vier Stunden.

Wieder einmal wurde ich in die 60er Jahre zurückversetzt und Erinnerungen ans Birsigtalbähli von Basel nach Flüh wurden wach. 

Ruedi

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